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20.01.2009

USDA-Schätzung vom 12. Jan. 2010 hat die Börsen böse überrascht

Man stelle sich vor: fast ein ganzes Jahr wird die US-Maisernte von unheilvollen Witterungsentwicklungen beeinträchtigt. Zuerst kommt es aufgrund von Dauerregen während der Bestellzeit im Mai zu Aussaatverzögerungen bzw. Einschränkungen der Anbauflächen. Die folgenden leicht unterdurchschnittlichen Sommertemperaturen waren nicht besonders maisfreundlich. Zur Haupterntezeit im Okober gibt es wieder Dauerregen. Die Ernte schleppt sich hin bis Mitte Dezember, als endgültig Schnee und Frost dem Dreschen ein Ende setzte. 15 Mio. t bzw. 5 % der US-Maisernte stecken im Schnee fest. Übrig bleibt die Hoffnung, im Frühjahr noch einiges vom Felde zu holen. Wieviel noch? Mit welchen Qualitätsabschlägen.

Vor diesem Hintergrund schätzt das USDA mit 335 Mio t die US-Maisernte nochmal höher als die schon zurückgenommene Dez-09-Schätzung mit 328 Mio t (im Nov 09 noch 330 Mio. t). Die Überraschung ist gleich zweifacher Art. Die Ernteflächen werden nochmals um 300.000 acre (120.500 ha) nach oben korrigiert und die Erträge auf Rekordniveau von 165,2 bu per acre (105 dt/ha) trotz unvollendeter Ernte und zu erwartenden Ernteverlusten geschätzt. Nachdenklich wird man allerdings, daß wenn man am Ende des Berichts liest, daß „man die Zahlen nochmal überprüfen werde, weil die Ernte noch nicht ganz abgeschlossen sei“. Korrekturen werden erst im März-Bericht erwartet.

Die Terminkurse an den nordamerikanischen Börsen reagierten mit mehrfachen Kursstürzen in der Größenordnung von 10 bis 15 % innerhalb von 3 bis 4 Tagen. Dabei gerieten neben Mais, die übrigen Getreidearten, Raps und Soja in den Abwärtsstrudel. Noch ist nicht sicher, ob die Kurssenkung ihren Tiefpunkt erreicht hat, oder ob im Gefolge der Neuorientierung der spekulativen Fondsgesellschaften andere Entwicklungen zum Zuge kommen.

Es wäre jedoch zu kurz gegriffen, wenn man die Kursschwankungen ausschließlich dem USDA-Bericht zuschreiben würde. Gleichzeitig kam es zu einer deutlichen Verringerung des Rohölpreises von über 84 $ auf 78 $ je barrel, der den Maispreis über die Bioethanol-Schiene mit nach unten gezogen hat. Der Dollarkurs zeigte sich sehr unstetig mit mal steigenden, mal fallenden Tendenzen.

Die Notierungen an der Euronext laufen zwar grundsätzlich in die gleiche Richtung wie die nordamerikanischen Börsenkurse, jedoch werden die dollarnotierten Schwankungen durch den vergleichsweise hohen Eurokurs mit durchschnittlich 1,45 $ je € abgeschwächt. Die vorderen März-10-Weizenkurse rutschten unter die 13 €/dt-Marke auf 12,80 €/dt ab, während sich die Mai-10-Notierungen noch auf 13 €/dt gerade halten konnten. Neben der währungs-bedingten Abpufferung der europäischen Terminkurse dürften die stabile EU-Versorgungs-lage sowie die gegenwärtigen Schwierigkeiten der Binnenschiffahrt mit den zur Vereisung neigenden Kanälen sowie die wechselnden Straßenverhältnisse sorgen. Da keine große Wetteränderung in absehbarer Zeit erwartet wird, könnte die um diese Zeit übliche Anschluß-versorgung Probleme verursachen, so daß ein gewisse Preisbefestigung zu spüren ist.

Jedenfalls ist erstmal - gemessen an der weltweiten Versorgungslage – das bisher hohe Preisniveau mindestens eine Treppenstufe niedriger angesiedelt worden.

Die US-Notierungen für Sojaprodukte wurden ebenfalls nach unten gezogen. Über die internen Marktverpflechtungen hinaus spielen hier zunehmend die hohen Ernteerwartungen in Südamerika eine entscheidende Rolle. Neben der nochmal erhöhten USDA-Schätzung der US-Sojaernte auf rd. 91,5 Mio. t (Vormonat 90 Mio. t) wurden die Ergebnisse für Argentinien mit 53 Mio. t (Vorjahr 32 Mio. t) und Brasilien mit 65 Mio. t (Vorjahr 57 Mio. t) im Wesentlichen bestätigt. Auch wenn die chinesischen Importe (2010: 42 Mio. t zu 79 Mio. t Welthandel) noch so groß sein sollen, dürfte das aufkommende Sojaangebot hoch genug ausfallen, um die steigende Nachfrage zu decken und gleichzeitig die auf 42 Mio. t abgesackten Überhangbestände des letzten Jahres wieder auf rd. 60 Mio. t aufzustocken.

Die Terminkurse für Raps an der Euronext haben ihren Anstieg seit Sep2009 in Richtung 300 €/t –Marke abgebrochen und sind vorerst auf 280 €/t zurückgefallen.

Da die Sojabohne als Marktführer (fast 60 %) im Ölsaatenmarkt gilt, sind weitere negative  Auswirkungen auf den künftigen Verlauf der Rapspreise zu vermuten. In jüngster Zeit bewegen sich die beiden Preisreihen in auffällig enger Relation zueinander.

Die Kurse der kommenden Liefermonate 2010 sind wenig differenziert. Im Sojakomplex sind leichte Schwächetendenzen erkennbar. Nennenswerte Preissteigerungen sind nicht auszumachen.

Fazit:

Die jüngste USDA-Schätzung der Getreideernte 2009/10 hat die Marktteilnehmer mit unerwarteten Zahlen für den US-Markt verunsichert. US-Mais wird trotz widriger Wetterumstände auf Rekordniveau geschätzt, 40 % der US-Weizenernte wird überlagert. Auf dem weltweiten Weizenmarkt wird ein stock-to-use-ratio von 30 % geschätzt. Es bedarf einer neuen Positionierung im Getreidesektor, das gilt insbesondere für die an den Börsen zurzeit  tonangebenden Spekulationsfonds.

Im Ölsaatenbereich könnte das erwartet hohe Soja-Angebot zu Preisdruck führen. Für Sojaschrot wird mit nachgebenden Kursen gerechnet. Die Rapspreise können mit nach unten gezogen werden. Zusätzliche Einflüsse werden noch vom Rohölmarkt und dem Eurokurs ausgehen, wobei die Entwicklungsrichtung offen bleibt.

Wie gut kommt die größere EU-Rapsanbaufläche durch den Winter? Um wieviel steigt die US-Sojafläche im Frühjahr 2010 wirklich? Noch ist die Rekordernte bei Soja nicht unter Dach und Fach!  Teilabsicherungen nach einer Erholungsphase bitte vormerken!

© H.Breker

 

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