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02.11.2009
Was haben hiesige Schweinepreise mit dem Dollarkurs zu tun?
Das Auf und Ab der Schweinepreise entsteht durch das wechselnde Verhältnis von Angebot und Nachfrage nach Schweinefleisch. Das ist gängige Lehrmeinung und die Überzeugung vieler Marktbeteiligter. Nur wenige glauben ernsthaft an Verschwörungstheorien auf der roten Seite. Man beobachtet eher intensiv das Schlachtschweineangebot und den Verkauf von Schweinefleisch im Lebensmittelhandel. Zur Erklärung zieht man Viehzählungsergebnis, Schlachtstatistik, durchschnittliche Schlachtgewichte u.ä. auf der Angebotsseite heran. Auf der Nachfrageseite werden die allgemeine Einkommenslage, die Konsumfreudigkeit zur Grillsaison, vor Feiertagen, zum Monatsbeginn bzw. die Nachfrageflaute in der Nachweihnachtszeit und zum Monatsende als Ursachen benannt. Die vorgenannten Einflußfaktoren haben alle ihre Berechtigung, aber sie sind nur Teilaspekte und liefern häufig nicht die letztlich überzeugenden Erklärungen zum grundlegenden Verlauf der Schweinepreise.
Daß der Dollarkurs einen signikanten Einfluß auf die Schweinepreise haben könnte, wird man beim ersten Hinhören zunächst nicht so einfach nachvollziehen können. Beim ersten Hinsehen auf die unten stehende Grafik fällt jedoch die gegensätzlich verlaufende enge Beziehung zwischen Devisenkurse und Schweinepreise im mehrwöchigen Durchschnitt des Jahres 2008/09 unmittelbar ins Auge. In der Grafik ist allerdings nicht der Dollar-, sondern umgekehrt der Eurokurs dargestellt.
Für den Zeitraum Okt. 2008 bis Okt. 2009 sind zeitgleich ein durchschnittlich steigender Eurokurs und ein durchschnittlich fallender Schweinepreis festzustellen. Die Beziehung zwischen beiden Preisen besteht zwar nicht in einem exakten 1:1-Verhältnis in jeder einzelnen Woche, sondern ist als Entwicklung des mehrwöchigen Durchschnittsniveaus zu interpretieren.


Aus der Beobachtung der beiden Preisreihen kann man die Aussage herleiten, daß bei mehrwöchig durchschnittlich steigenden Eurokursen – das entspricht umgekehrt fallenden Dollarkursen – das durchschnittliche Schweinepreisniveau hierzulande fällt und umgekehrt.
Ist das nun Zufall oder steckt System dahinter?
Wenn es sich um eine systematische Beziehung handelt, dann muß ein marktwirtschaftlich erklärender Zusammenhang herstellbar sein. Die Verknüpfungen müssen sich logisch begründen lassen.
Der Schweinepreis wird von den letzten Mengeneinheiten bestimmt, die zum Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage führen. Der Preis pendelt so lange hin und her, bis der Markt geräumt ist. Der Export von Schweinefleisch ist das Entlastungsventil bei überschüssiger Inlandsversorgung der EU zwischen 108 bis 110% Selbstversorgungsgrad. Der Absatz auf Drittlandsmärkten außerhalb der EU steht und fällt mit der preislichen Konkurrenzfähigkeit gegenüber anderen Schweinefleisch-exportierenden Ländern wie z.B. USA, Brasilien und Kanada. Beim Exportabsatz kommt es auf das relative Niveau der Angebotspreise zwischen den im Wettbewerb stehenden Ländern in der jeweiligen Landeswährung und den wechselnden Umrechnungskursen an. Auf Drittlandsmärkten wird in Dollar als Leitwährung notiert.
Die Angebotspreise in den USA (führend im Schweinefleischexportgeschäft) liegen seit einem Jahr umgerechnet zwischen 1,10 bis 1,35 $/kg, im Durchschnitt bei 1,25 $ je kg. Die Preise in Brasilien (weltweit drittgrößter Exporteur) schwankten in der gleichen Zeitspanne zwischen 0,9 bis 1,40 $/kg, im Durchschnitt bei 1,30 $/kg. Hinzuzurechnen sind die unterschiedlichen Transportkosten zu den wichtigen Importländern wie z. B. Japan (1,2 Mio. t Import) und Rußland (800.000 t Import).
Wenn – wie aktuell seit einem Jahr zu beobachten ist – der Dollarkurs fällt bzw. umgekehrt der Eurokurs steigt, wird europäisches Schweinefleisch gegenüber den Mitanbietern zu teuer. 125 US-$ für 100 kg Schweinefleisch auf dem Weltmarkt bringt hierzulande bei einem aktuellen Eurokurs von 1,50 $ je € nur noch 83,33 € je 100 kg. Im Falle eines Umrechnungskurses von 1,25 $/€ beträgt der Erlös immerhin noch 100 € je 100 kg. Entweder geht man bei steigenden Eurokursen mit dem Preis nach unten oder man bleibt auf der Ware sitzen mit der Folge, daß die dann fehlende Exportentlastung nicht stattfindet und auf den Inlandsmarkt drückt. Im jeden Fall bestimmt bei überschüssiger EU-Marktlage und niedrigen Konkurrenzpreisen das Exportgeschäft das Preisniveau im EU-Inland wesentlich mit. Der Dollar- bzw. Eurokurs spielt als Multiplikator eine entscheidende Rolle.

In mittelfristiger Hinsicht fällt auf, daß europäische und US-Preise - in ihren jeweiligen Währungen notiert - dicht beieinander liegen. Allein Eurokurs-bedingt hat sich in den letzten 5 Jahren der in Dollar umgerechnete europäische Schweinepreis erheblich von den konkurrierenden US-Preisen nach oben abgesetzt. Dadurch verliert der EU-Export in Drittländer an preislicher Wettbewerbskraft. Europäisches Schweinefleisch ist beim Export teuer bzw. umgekehrt erscheint US-Schweinefleisch so konkurrenzlos günstig.
Demzufolge sind die EU-Exporte nach Japan und anderen Importgebieten mit vergleichbaren Transportkosten für die übrigen Ausfuhrländer erheblich zurückgegangen. Vor diesem Hintergrund sollte man sich keine übertriebenen Hoffnungen auf den Schweinefleischexport nach China machen. Hierbei kommen nur spezielle Abschnittsteile vom Schwein in Betracht. Aber immerhin – jede Tonne Ausfuhr zählt.
Ausfuhrspezialitäten für China: rund um’s Schwein, außen und unten rum.


Bei der Ausfuhr in Richtung Russland als zweitgrößtem Importgebiet kann die EU-27 deswegen mit den ebenfalls dorthin exportierenden Ländern USA, Brasilien und Kanada mithalten, weil sie aufgrund der geringeren Transportkosten den währungsbedingten Nachteil ausgleichen kann.
Die aktuelle Marktsituation wird weiterhin von niedrigen Konkurrenzpreisen in den USA mit umgerechneten Kursen um die 0,8 €/kg bzw. Brasilien mit 1,10 bis 1,30 €/kg sowie einem hohen Wechselkurs von knapp unter 1,50 $/€ geprägt. Insofern behält der aktuell hohe Euro- bzw. niedrige Dollarkurs eine starke Bedeutung für das hiesige Preisniveau und die weitere Preisentwicklung.
Fazit:
Eine Verbesserung des mehrwöchigen Durchschnittspreisniveaus für Schweinefleisch von derzeit unterdurchschnittlichen 1,30 €/kg hängt nicht nur von den inländischen Angebots-/Nachfrage-Verhältnissen ab, sondern wird angesichts der weltweiten Absatzorientierung für Schweinefleisch nicht ganz unwesentlich von der Entwicklung der Währungskurse abhängig sein. Dabei spielt der Dollarkurs als Leitwährung auf Weltebene eine entscheidende Rolle. Diesen Zusammenhang sollte man angesichts der schwachen Terminnotierungen der Schweinepreise zwischen 1,20 und 1,30 €/kg in den ersten Monaten des Jahres 2010 im Auge behalten. Die Ferkel sind schon oder werden jetzt gerade aufgestallt.
Die US-Prognosen für 2010 sehen wieder steigende Preise zur Jahresmitte 2010 voraus. Hoffentlich macht ein weiter steigender Eurokurs einen möglichen Preisanstieg hierzulande nicht zunichte.
© H.Breker