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04.01.2010
Die Lage auf dem Schweinemarkt zum Jahreswechsel 2009/10
Das Auf und Ab der Schweinepreise kennt kein Ende und bietet immer wieder Anlaß, die Ursachen der Schwankungen zu ergründen und daraus Erkenntnisse zu gewinnen, die mehr Licht in das Dunkel der zukünftigen Markt- und Preisentwicklung bringen.
Das abgelaufene Jahr 2009 bescherte Schweinepreise von 1,38 €/kg im Januar über 1,55 €/kg in den Sommermonaten bis runter auf 1,28 €/kg im Dezember. Im Durchschnitt lagen die Preise unter dem Niveau des Vorjahres. Die Ferkelpreise ohne Zuschläge hielten sich im 1. Halbjahr 2009 deutlich über der 50 €-Marke, schwächelten erst saisonbedingt im Okt/Nov unterhalb der 40 €-Grenze und haben sich Ende des Jahres wieder auf über 40 € je 25 kg Ferkel o. MWST festgesetzt.
Während im Vorjahr noch hohe Futtermittelpreise die Wirtschaftlichkeit beeinträchtigten, sind die Futterkosten in diesem Jahr deutlich zurückgegangen.


In den letzten 5 bis 6 Jahren haben sich die Preisschwankungen bei den Schweinen gegenüber früheren Jahren deutlich abgemildert. Die Ferkelpreise durchliefen jedoch in den letzten 2 Jahren ein ruinöses Preistief und die Futtermittelpreise haben ein bisher ungewöhnliches Preishoch erlebt. Das relativ niedrigere Preisschwankungsniveau bei den Tieren ist auf das Ausbleiben von Tierseuchen zurückzuführen, wie wir sie Mitte der 90er und Anfang 2000/01 Jahre erlebt haben. Der Ferkelpreisverfall im Jahre 2007/08 wurde erheblich von den steigenden Ferkelimporten aus Dänemark und Holland bei gleichzeitig steigenden Ferkelleistungen je Sau und Jahr verursacht.
Das Futtermittelpreishoch im Jahre 2008 kam durch das Zusammentreffen einer schlechten EU-Ernte mit einem einmaligen Nettoimportbedarf und einer gleichzeitig weltweiten Verknappung von Getreide- und anderen Futtermitteln zustande. Mit 2 Rekordernten in den Folgejahren sind die Versorgungslücken wieder aufgefüllt und die Preise unter ein mittelfristiges Durchschnittsniveau gefallen.
Die Sauenhaltungen in Deutschland mußten sich der neuen Marktlage mit geringeren Halter- und Tierzahlen, aber steigenden Bestandsgrößen anpassen. Mit steigender Tendenz wurden jährlich bis zu 8 Mio Ferkel importiert. Die deutschen Schweinemast- und Schlacht-kapazitäten wurden erheblich aufgestockt, so daß der Selbstversorgungsgrad an Schweinefleisch auf nahezu 110 % ansteigt. Rund 20 % der Schlachtungen stammen aus importierten Ferkeln oder Lebendschweinen. Der Export in die nahegelegenen neuen EU-Mitgliedstaaten stellt die entscheidende Preisstütze dar. Dazu gehört auch der Drittlandsexport von Schweinefleisch und Lebendschweinen nach Russland. Nach jahrzehntelanger Importabhängigkeit wird Deutschland in steigendem Maße von einem funktionierenden Export abhängig sowohl im Hinblick auf Seuchenfreiheit, Qualität, einer schlagkräftigen Exportlogistik und wettbewerbsfähigen Preisangeboten. Ein leistungsfähiger Schweinefleischexport wird zum Gradmesser für das Preisniveau.
Ausblick auf 2010:
Die Ergebnisse der Viehzählung Anf. November 2009 lassen zunächst die Schlußfolgerung zu, daß in Deutschland geringfügig weniger Schweine (-0,4 %) gezählt worden sind. Insbesondere der starke Rückgang der Sauenzahlen von 3,5 % könnte die Vermutung nahe legen, daß für 2010 mit einem Rückgang an Schweinefleisch in Deutschland zu rechnen sei.
Bei durchschnittlichen Ferkelleistungen ohne nennenswerte Steigerungen führt die verringerte Sauenzahl zu einem verminderten inländischen Ferkelaufkommen in einer Größenordnung von 1,5 Mio Ferkel. In den Jahren von 2007 bis 2009 sind im Durchschnitt der Jahre allein aus Dänemark jährliche Steigerungsraten von 2 Mio Ferkel zu verzeichnen gewesen. Die Importsteigerungen aus Dänemark haben aber bereits in 2009 spürbar nachgelassen. Dafür werden die Ausfuhren niederländischer Ferkel nach Deutschland zunehmen. Hinzu kommen leicht wachsende Importzahlen an Lebendschweinen zur Auslastung der hiesigen Schlachthöfe.
Insgesamt dürfte davon auszugehen sein, daß das Schweinefleischaufkommen 2010 in Deutschland eher zunehmen wird. Die AMI (früher ZMP) schätzt die Steigerung auf 2,4 %.

Vorl. Ergebnisse der Viehzählung vom 03. Nov. 2009:
Schweine zus.: -0,4 %
unter 50 kg: -0,5 %
über 50 kg: +0,3 %
Sauen -3,5 %
Tr. JungSau: +0,6 %


Nach Schätzungen des von-Thünen-Institutes (vTI) soll die deutsche Inlandsnachfrage nach Schweinefleisch geringfügig zunehmen. Damit kommt es für die Preisbildung hierzulande entscheidend darauf an, wie gut weiterhin der Export aus Deutschland in die mittel- und osteuropäischen Länder bzw. nach Russland funktioniert.
Die Schweinefleischerzeugung für die gesamte EU-27 soll nach Einschätzung der EU-Kom um 0,5 % zurückgehen. Dabei wird der Rückgang in den neuen EU-Mitgliedstaaten größer ausfallen als in den übrigen Ländern. Allein für Deutschland wird eine geringe Steigerung unterstellt. Die Nachfrage wird auf – 2 % geschätzt und der Drittlandsexport leicht eingeschränkt. Aus der Gesamtkonstellation von Angebot und Nachfrage soll sich nach Einschätzung des vTI ein Preisniveau für 2010 ergeben, daß sich im Durchschnitt der letzten beiden Jahre (rechnerisch 1,45 €/kg im Durchschnitt von E-P) bewegen könnte. Gemessen an den bisherigen Terminnotierungen an der Eurex in Frankfurt handelt es sich um eine sehr optimistische Prognose. Die CME für LeanHogs in den USA liefert unwesentlich andere Preissteigerungen, wenngleich auch auf einem anderen Niveau.
Terminkurse für Schweine an der Eurex, Frankfurt bzw. CME, Chicago vom 30.12.2009 (1,44 $/€)
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Jan 10 |
Feb10 |
Mär10 |
Apr10 |
Mai10 |
Jun10 |
Jul10 |
Aug10 |
Sep10 |
Okt10 |
Nov10 |
Dez10 |
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Eurex |
1,27 |
1,315 |
1,35 |
1,36 |
1,37 |
1,428 |
1,42 |
1,42 |
1,40 |
1,39 |
1,39 |
1,39 |
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CME (US-ct/p) |
65,9 |
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70,225 |
74,975 |
77,75 |
76,55 |
75,35 |
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67,45 |
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67,00 |
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CME (in €/kg) |
1,01 |
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1,075 |
1,15 |
1,19 |
1,17 |
1,15 |
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1,03 |
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1,025 |
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Nach der jüngsten Viehbestandsaufnahme in den USA vom 1. Dez. 09 ist der Schweinebestand um 2 % gegenüber dem Vorjahr zurückgefahren worden. Die Zahl der Sauen soll um 3,5 % abgenommen haben. Jedoch hat sich die Ferkelleistung um 2,5 % verbessert, so daß nicht mit einem sehr starken Abbau der Schweineproduktion für 2010 gerechnet wird. Die US-Inlandsnachfrage hat zwar etwas nachgegeben, man ist jedoch optimistisch, daß weitere Rückgänge aufgrund der sich erholenden Wirtschaft ausbleiben. Aus dem gleichen Grund blickt man für die Exportnachfrage optimistisch in die Zukunft. Die US-Exporte soll nur knapp hinter dem Rekordniveau von 2008 in Höhe von etwas über 2 Mio t Schweinefleisch zurückbleiben.

Schließlich haben die USA bei vergleichbaren Transportkosten kaum nennenswerte Konkurrenz im weltweiten Absatz zu fürchten, sind sie doch währungsbedingt konkurrenzlos günstig, solange der Dollarkurs zwischen 1,4 bis 1,5 $ je € schwankt. Umgerechnet in $/kg fallen europäische Schweinepreise um mind. 0,50 UScent je kg höher aus. Mit solchen Preisforderungen ist man auf dem Weltmarkt nicht konkurrenzfähig. Die Exportmärkte in Japan und Südostasien werden daher überwiegend von den USA beherrscht. Lediglich der US-Absatz nach China und Hongkong ist nach dem Olympiajahr 2008 von 360.000 t auf 180.000 t erheblich gefallen und wurde durch die steigende Inlandsproduktion Chinas abgefangen. Ausgleich hat die US-Schweinefleischbranche jedoch im grenznahen Mexiko gefunden, das an die Spitze der US-Exporte geklettert ist.
Kanada ist immer noch dabei, seine Schweine- und Sauenbestände zu dezimieren. Im 3. Quartal 2009 wurden 7,3 % weniger Schweine gegenüber dem Vorjahr gezählt. Die Zahl der Sauen schrumpfte um 3,5 %. Für das Jahr 2010 schätzt das USDA einen nochmaligen Rückgang der kanadischen Schweinefleischproduktion von 1,79 Mio auf 1,66 Mio t. Das wird vorrangig den Export entlasten.
In Brasilien geht man weiter von Zuwachsraten in der Schweinehaltung aus, der im Wesentlichen dem steigenden Inlandsverbrauch zugute kommt. Der Ausdehnung des Exports sind enge Grenzen durch fehlende Wettbewerbskraft mit Preisen zwischen umgerechneten 1,10 bis 1,30 €/kg gegenüber den Amerikanern gesetzt.
Auf der Nachfrageseite des weltweiten Schweinefleischimports bleibt Japan mit 1,15 Mio t weiterhin an der Spitze, allerdings sind im letzten Jahrzehnt kaum noch Zuwächse zu verzeichnen. Während die USA ihre Exportanteile ausbauen, gehen die Ausfuhren der EU durch Dänemark immer mehr zurück.
Zweitgrößter Importeur von Schweinefleisch ist Russland. Zwar werden nicht mehr die Rekordzahlen von über 1,1 Mio. t Schweinefleischeinfuhren im Jahre 2008 erreicht, aber mit 750.000 t im laufenden und im kommenden Jahr bleibt Russland für europäische Drittlands-exporte ein hoch interessanter und dringend notwendiger Absatzmarkt, maßgeblich unterstützt durch die geringen Transportkosten gegenüber den Mitkonkurrenten.
Die wiederholten Ankündigungen Russlands bei Schweinefleisch spätestens im Jahre 2020 autark zu sein, sind in jüngster Zeit durch eine auf 3 Jahre angelegte Förderkampagne für den Ausbau der russischen Schweinefleischerzeugung und –verarbeitung untermauert worden. Die kurzfristigen Ziele sind die Erhöhung der Schweinefleischproduktion um 33 % bzw. die Reduzierung der Schweinefleischimporte auf 14% des Verbrauchs bis zum Jahre 2012. Im Jahr 2009 betrug der Import noch 29 %. In der Vergangenheit sind Produktions-steigerungen durch noch höhere Nachfragezuwächse überkompensiert worden. Auf Dauer jedoch dürfte damit ein leistungsfähiger Abnehmer europäischer Schweinefleischexporte an Bedeutung verlieren. Ein Ersatz dafür ist noch nicht gefunden.
In China wird rd. die Hälfte des weltweiten Schweinefleischaufkommens erzeugt und verzehrt. Steigende Bevölkerung und steigendes Einkommen führen zu einem jährlichen Verbrauchszuwachs von mehr als 1 kg je Kopf-und Jahr. Jährliche Zuwachsraten von rd 1,5 Mio t Fleisch (+ 3 %) sind notwendig, um den steigenden Verzehr zu decken. Der ProKopf-Verbrauch wird auf 37,3 kg berechnet. Da die Versorgung mit Schweinefleisch einen hohen politischen Stellenwert besitzt, werden seitens der chinesischen Regierung erhebliche Fördermittel bereit gestellt, um den Bedarf sicher zu stellen. Für das Jahr 2010 schätzt das USDA jedoch den Importbedarf Chinas auf nur 120.000 t, dem rd. 240.000 t Exporte in grenznahe Gebiete gegenüber stehen.
Hongkong wird statistisch immer noch eigenständig betrachtet. Mit 65,4 kg Schweinefleisch je Kopf gehören die Honkong-Chinesen zu den weltgrößten Einzelverbrauchern von Schweinefleisch. Der Gesamtimport bewegt sich seit 3 Jahren konstant um die 345.000 t.


Insgesamt soll sich der Schweinefleischhandel auf Weltebene von dem starken Rückgang im Jahre 2009 gegenüber dem Rekordjahr 2008 wieder im Rahmen durchschnittlicher Steigerungszahlen bewegen. Dabei wird von einer weltweiten Erholung des Wirtschafts-wachstums ausgegangen.
Fazit:
Der Schweinefleischmarkt 2010 wird zwar weltweit zunehmen, aber die Zuwächse finden im Wesentlichen in China, Brasilien und Russland statt. In allen übrigen Erzeugerländern wird eine Konsolidierungsphase durchlaufen. Während in den Industrieländern die Nachfrage weitgehend gesättigt ist, besteht ein beachtlicher Zuwachs in den Schwellenländern mit hoher Bevölkerung und Einkommenssteigerung. China wird den Selbstversorgerstatus aufrecht erhalten und die übrigen südostasiatischen Länder werden aus Nordamerika mit Schweinefleisch versorgt. Für die westeuropäische Überschußproduktion stellen die neuen EU-Mitgliedstaaten und Russland das notwendige Exportventil dar, um die Preise auf einem durchschnittlichen Niveau zu halten. Aus heutiger Sicht erwartet man für 2010 keine großen Veränderungen. Aber der Schweinefleischmarkt ist als sog. „Chaosmarkt“ immer für Überraschungen gut.
© H.Breker