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04.01.2010

 

Die Lage auf dem Rindfleischmarkt zum Jahreswechsel 2009/10

Nach dem Übergang der EU-27 vom Nettoex- zum Nettoimporteur und nach der Überwindung der BSE-Krise in den Jahren 2001/2002 haben sich die Rindfleischpreise von einem Niveau unter 2,50 €/kg R3-Bulle auf über 3 €/kg R3-Bulle nach oben bewegt. Erst im Jahre 2009 begannen die Preise zu bröckeln und halten sich unter der 3 €/kg–Marke.

Die Rindfleischerzeugung im EU-Binnenmarkt verringerte sich auf rd. 8 Mio t und der Rindfleischimport fiel von über 700.000 auf unter 500.000 t. Entscheidende Ursache des Preisrückganges ist die deutliche Verringerung der Nachfrage. Die Ursachen dieser Entwicklung sind vielfältig:

Der deutsche Selbstversorgungsgrad für Rindfleisch steuert auf 119 % zu.

Ergebnisse der Viehzählung in Deutschland vom 03.11.2009:

Rinderbestand:       -0,7 %

Rinder < 1 Jahr:      -2,1 %

Weibl Rind > 1 J.:   +1,6 %

Männl. Rind > 1 J.: +0,9 %

Kühe                       -1,4 %

Die Ergebnisse der Viehzählung in Deutschland vom 03. Nov. 2009 lassen erkennen, daß die Zuwächse aus den Jahrgangsklassen der Rindviehbestände über 1 Jahr ein zunehmendes Fleischaufkommen im Jahre 2010 erwarten lassen. Die verringerten Kuhbestände wirken sich hingegen mit einem beachtlichen Anteil am Rindviehbestand von rd. 35 % ausgleichend aus.Der Abbau bei den Rinderbeständen unter 1 Jahr wird erst mit Ablauf des Jahres 2010 zu spüren sein. Insgesamt dürfte sich das Rindfleischaufkommen im Jahre 2010 aus inländischer Erzeugung nur wenig ändern.

Für die EU-27 geht man für das Jahr 2010 von einer weiter rückläufigen Rindfleisch-erzeugung um 0,5 % aus. Der Rindfleischimport soll wieder leicht zulegen. Andererseits schätzt man einen leichten Verbrauchsrückgang um ungesicherte 0,3 %. Der Export in Drittländer soll sich geringfügig erhöhen.

Auf Weltebene rechnet das USDA mit einem Rückgang der Rindfleischerzeugung von 0,7 %. Die Erzeugungsminderung  findet in fast allen bedeutenden Produktionsländern statt. Die Ausnahme ist Brasilien mit einer geschätzten Produktionserweiterung um rd. 4 %.

Brasilien bleibt weiterhin weltgrößter Exporteur von Rindfleisch. Die EU bezieht im Regelfall fast 45 % ihrer Rindfleischimporte aus dieser Region. Das Problem sind häufige Sperren aufgrund von Tierseuchen. Brasilianische Rindfleischnotierungen liegen bei knapp 2 €/kg (bezogen auf ein 15 kg Teilstück). Für Einfuhren in die EU gelten Zollvorschriften wie z.B. 12,8 % bzw. 20 % Grundzoll plus Sonderzoll in Höhe von 1,768 €/kg. Im Rahmen bestimmter Kontingentsregelungen (50.000 bzw 65.000 t) sind Zollreduzierungen vereinbart.

Im Zusammenhang mit den laufenden WTO-Verhandlungen sollen die Zollsätze in etwa halbiert werden. Eine neue Verhandlungsrunde ist für den März 2010 vorgesehen. Im Falle eines „erfolgreichen“ Abschlusses könnten durch Zollreduzierungen negative Einflüsse für die Inlandspreise von Rindfleisch entstehen.

Fazit:

Die früheren Aussichten auf steigende Rindfleischpreise sind vorerst nicht wieder in Sicht. Es sei denn, daß große Exportgebiete durch Importsperren wegen Seuchenübertragung wieder gesperrt werden. Brasilien steigert sein Produktions- und Exportvolumen und ist jederzeit in der Lage, den Importbedarf der EU  preisgünstig zu decken. Zurzeit verhindert ein leistungsfähiger EU-Außenhandelsschutz Rindfleischeinfuhren, der das hiesige Preisniveau untergraben könnte. Sollten die WTO-Verhandlungen im Jahre 2010 zum Abschluss kommen, werden die Preisfindungen beim Rindfleisch neu justiert werden müssen.

 

© H.Breker

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