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04.01.2010
Die Lage auf dem Ölsaatenmarkt zum Jahreswechsel 2009/2010
Nach zwei schwachen Ernten hat die weltweite Ölsaatenproduktion 2009/10 wieder Fahrt aufgenommen. Die abgebauten Endbestände werden wieder aufgefüllt und sollen ein gutes Durchschnittsniveau erreichen. Das Plus von rd. 30 Mio. t (+7 %) geht zum größten Teil auf die Erhöhung der Sojaernten in Nord-und Südamerika gegen Ende des Wirtschaftsjahres zurück. Die Steigerung fällt auch deswegen so überragend groß aus, weil die vorjährige Kampagne von einem massiven Ernteeinbruch in Argentinien (minus 20 Mio. t) betroffen war und schwächere Ernten in Brasilien und den USA zusätzlich zu niedrigen Ausgangszahlen beigetragen haben. Da die südamerikanischen Ernten erst noch im Frühjahr 2010 eingebracht werden müssen, sind die Zahlen noch mit Vorsicht zu genießen. Nach dem derzeitigen Saatenstand wird jedoch aufgrund der bisher guten bis reichlichen Niederschläge fest mit überdurchschnittlichen Ernteergebnissen gerechnet.
Mit rd. 250 Mio. t nimmt die Sojabohne fast 60 % Anteil am gesamten Ölsaatenmarkt von knapp 430 Mio. t ein und dominiert damit das Markt- und Preisgeschehen. Mit knapp 60 Mio. t (Vorjahr 58 Mio. t) rangiert Raps an zweiter Stelle mit einem Produktionsanteil von rd. 14 %. Dann erst folgt Baumwollssaat mit knapp 40 Mio. t vor Sonnenblumen und Erdnüssen mit jeweils 30 Mio. t.
Die Steigerung der Nachfrage nach Ölsaaten wird nach 3 Jahren der Stagnation um 10 Mio. t höher auf knapp 350 Mio. t eingestuft. Ein Nachfrageschub wird in Argentinien und Brasilien aufgrund der um 40 % steigenden Biodieselherstellung aus Sojaöl erwartet. Es verbleibt dennoch ein ansehnlicher Betrag von rd. 15 Mio. t zur Erhöhung der Überhangbestände mit entsprechenden Auswirkungen auf zu erwartende Preissenkungen.
Die Nachfrage nach Ölsaaten auf dem Importwege wird insbesondere von Indien und China bestimmt. Während Indien vorwiegend pflanzliche Öle importiert, hat sich China vorrangig darauf konzentriert, Sojabohnen einzuführen. Die chinesische Sojaimportmenge beträgt mit 41 Mio. t mehr als 50 % bei einem weltweiten Handelsumschlag von 79 Mio. t je Jahr. Dieses starke Nachfrageverhalten hat im abgelaufenen Jahr vor dem Hintergrund des Einbruchs der südamerikanischen Sojaernte zu einem regelrechten Ausverkauf in Argentinien und Brasilien beigetragen. Mit dem Einsetzen der verzögerten US-Sojaernte blieb die chinesische Nachfrage bis in die jüngste Zeit hinein ungebrochen, so daß selbst die überdurchschnittliche Sojaernte von fast 90 Mio. t (Vorjahr 80 Mio. t) in den USA zu keiner spürbaren Preisminderung beitragen konnte. Die aktuellen US-Exportzahlen liegen weit über den Durchschnittswerten früherer Jahre.
Man geht davon aus, daß mit dem (frühen) Einsetzen der brasilianischen und argentinischen Ernten Ende Jan/Anf Febr 2010 eine Umorientierung erfolgt. Schon jetzt soll bereits rd. 20 % der brasilianischen Sojaernte (64,5 Mio. t, Vorjahr 57 Mio. t) vorverkauft sein.
Die weltweite Rapsproduktion hat in den letzten 2 Jahren um fast 10 Mio (+15 %) zugelegt. Die Zuwächse haben vor allem in Kanada, EU-27 und in Australien und Ukraine stattgefunden. Während mehr als 2/3 des kanadischen Rapses in Länder ohne GVO-Beschränkung exportiert wird, muß der seit 3 Jahren durchgängige Importbedarf der EU-27 zwischen 2 und 3 Mio t aus Ländern mit garantiert GVO-freien Herkünften wie Ukraine, Russland und Australien teilweise teuer beschafft werden. Trotz der zurzeit etwas schwächelnden Nachfrage nach Biodiesel und leicht steigenden Überhangbeständen bewirkt der Beimischungszwang einen ständig steigenden Verbrauch von Rapsöl, der trotz wachsender Inlandsproduktion aus heimischer Grundlage nicht mehr gedeckt werden kann. Zunehmende Importe von Raps und Palmöl sind die Folgen dieser Verknappung.
Die Kurse für Ölsaaten an den führenden Börsen blieben bis in die jüngste Zeit hinein sehr stabil. Noch in den Herbstmonaten wiesen die Sojabohnenpreise eine ausgeprägte Differenzierung zwischen vorderen Terminen mit fester Tendenz bis zur Jahreswende und späteren Terminen mit Abschlägen von 5 bis 6 $ je dt aus. Das spiegelte die unterschiedlich eingeschätzten Versorgungslagen im Herbst mit ausverkauften Überhangbeständen und für das Frühjahr mit einem hohen südamerikanischen Ernteangebot wider. Diese Unterschiede sind mittlerweile so gut wie verschwunden. Gründe werden in der anhaltend hohen Nachfrage aus China und anderen Ländern sowie aus dem Bioenergiesektor gesehen. Der immer noch unsichere Ernteausgang in Südamerika und das Engagement spekulativen Kapitals in den agrarischen Rohstoffen als vergleichsweise sichere Anlageform tragen aktuell ebenfalls nur wenig zur Preisberuhigung bei.
Eine zwischenzeitliche Preisschwäche Mitte/Ende Dezember an den amerikanischen Börsen wurde durch spekulative Nachfrage zum und für den Jahresabschluß wieder abgefangen. Kanadische Rapssaat hat sofort voll mitgezogen und mit dem entsprechenden Wechselkursdämpfer ist die Euronext in Paris gefolgt. Im neuen Jahr wird man klarer sehen, inwieweit sich die Spekulation gegenüber den fundamentalen Faktoren durchsetzen kann.
Fazit:
Aufgrund der hohen Sojaernten 2009/10 können die Ölsaatenpreise (Raps, Soja) zur Schwäche neigen, dem stehen möglichwerweise hohe bzw. noch steigende Rohölpreise entgegen. Dollarnotierte Preisänderungen werden durch den Wechselkurs $ zu € deutlich abgeschwächt. Noch herrscht ein ständiges Tauziehen vorwiegend spekulativen Kapitals zwischen stabilen Maispreisen und zur Schwäche neigenden Weizen- und Sojakursen.
Spätere Terminkurse für Sojaschrot tendieren nach unten, Rapskurse ziehen noch an.
© H.Breker