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04.01.2010
Die Lage auf dem Milchmarkt zum Jahreswechsel 2009/10
Nach einem bisher unbekannten Höhenflug im Jahre 2007/08 stürzten die Milchpreise in der Folgezeit bis Mitte des Jahres 2009 auf einen neuen Tiefstand. Seitdem haben sich die Kurse zum Ende 2009 – zum überwiegenden Teil ohne direkte staatliche Unterstützung – wieder spürbar erholt. Die wesentlichen Antriebskräfte kamen aus dem Markt heraus, aber woher stammen sie? Wie sind die Zusammenhänge zu erklären? Und - wie geht’s weiter?

Ein Blick zurück: Ursachen des Milchpreisanstiegs
Steigende Weltbevölkerung und Einkommenszuwachs verursachen seit 2 Jahrzehnten auf Weltebene eine beachtliche Nachfragesteigerung durch Mehrverbrauch und höheren Anteilen an veredelten Produkten. Die weltweite Produktionsentwicklung hielt mit diesem Nachfragezuwachs nicht Schritt. Im Gegenteil: Eine restriktive Milchmarktpolitik in den großen Produktionsländer, allen voran in der EU-27 mit ihrer Quotenpolitik, bemühten sich darum, nationale Überschüsse einzudämmen, um ihre isolierte Hochpreispolitik gegenüber dem Weltmarkt aufrecht zu erhalten. Auf Weltebene wurden die Überhangmengen stetig geringer. Während die Weltmarktpreise für Milchprodukte stiegen, wurde in wichtigen Erzeugungsgebieten – allen voran die EU-27 - seit der Jahrtausendwende das Hochpreisniveau heruntergefahren und durch direkte Einkommensübertragungen teilweise ersetzt. Die tief herabgesetzten staatlichen Preisgarantien für die Interventionsprodukte Butter und Magermilchpulver minderten den Anreiz zu ihrer Produktion. Bereits im Jahre 2006 waren die EU-Interventionsläger für Magermilchpulver leer.
In den Jahren 2006 bzw. 2007 traten zusätzliche Ereignisse ein, die zu einer rasch um sich greifenden weiteren Verknappung von Milchprodukten führten:
Im weltweit drittgrößten Exportland Australien trat eine „Jahrhundertdürre“ ein, die die Milchviehherde um rd. 20 % reduzierte. Die überwiegend grundfutterorientierte Produktion führte zu einem massiven Exportrückgang. Der Wiederaufbau der Kuhbestände ist bis heute nicht abgeschlossen.
Das weltgrößte Exportgebiet Neuseeland wurde zwar nicht so stark von der Dürre betroffen, aber die ausschließlich grundfutterorientierte Produktion mußte verringert werden. Bei 90 % Exportanteil blieben die Ausfuhren zurück.
Die hohen Getreide- bzw. Futtermittelpreise verteuerten die Milcherzeugung auf denjenigen Standorten wie z.B. Nordamerika, die überwiegend auf Kraftfutterbasis wirtschaften. Die US-Produktion stagnierte ebenso wie die quotierte EU-Erzeugung.
Die hohen Rohölpreise 2007 verschafften den Staaten mit hohen Importraten von Milchprodukten zusätzliche Kaufkraft. Der mittlere und nahe Osten ebenso wie Russland und China entwickelten zusätzliche Nachfrage, die angesichts der ausverkauften Vorratsläger und nicht lieferfähigen Exportländer nicht mehr in vollem Umfange bedient werden konnte.
Das gleichzeitige Zusammentreffen der langfristigen Entwicklungen zunehmenden Überschußabbaus auf Weltebene mit den kurzfristigen Ereignissen führte zu einer überraschend schnellen Verknappung mit geringer Aussicht, daß kurzfristig eine Änderung durch Produktionssteigerung herbeizuführen war. Spekulative Überhöhungen trugen ebenfalls zu der Verdreifachung der Weltmarktpreise innerhalb von wenigen Monaten bei. Den Höhepunkt erreichten die Milchpreise im Herbst 2007 und hielten sich anfangs des Jahres 2008 auf hohen, wenn auch etwas ermäßigtem Niveau.
Warum sind die Milchpreise wieder gefallen?
Die Antwort ist zunächst einfach: Hohe Preise
sind ein Anreiz zur Mehrproduktion in den Ländern, die nicht durch Quoten oder sonstige Hemmnisse gebremst werden
führen zur Zurückhaltung beim Verbrauch, der zusätzlich entscheidend durch die Finanz- und Wirtschaftskrise verschärft wurde.
Auf der Angebotsseite sind folgende Entwicklungen festzumachen:
· Die US-Milchproduktion wuchs im Jahr 2008 um 3 % (+2 Mio. t).
· Brasilien und Argentinien steigerten in der gleichen Zeit um 8 % (2,5 Mio t).
· Indien (+ 1,2 Mio t) und China (+ 1,3 Mio t) erhöhten ihre Produktion um 3,5 %.
· In der EU-27 stieg die Produktionsmenge quotenbedingt um 1 % bzw. 1,5 Mio t
· Die russische und ukrainische Produktion war geringfügig rückläufig.
· In Neuseeland und Australien blieb die Milcherzeugung fast auf Vorjahresstand.
· Insgesamt stieg die Milcherzeugung in den weltweit führenden Produktionsgebieten um rd. 8 Mio t (knapp 2 %)
Auf der Nachfrageseite gingen die weltweiten Importe der großen Einfuhrländer bei Käse um 2,5 % zurück und bei Butter um rd. 4 %. Vollmilchpulver blieb auf gleichem Niveau, während Magermilchpulver um 10 % stieg, davon zu 90 % bedingt durch die Einfuhren Mexikos.
In der EU- 27 blieb die Verbrauchsentwicklung im Durchschnitt des Jahres 2008 bis auf den 0,5 %-igen Rückgang bei Butter stetig bis leicht steigend.
Die EU-Butterexporte fielen jedoch von 206.000 t (2007) auf nur noch 125.000 t (- 185 % !), bei Magermilchpulver betrug der EU-Exportrückgang 10 %, bei Käse ging der EU-Exportabsatz um 5 % zurück. Nur bei Vollmilchpulver stieg der Drittlandsexport um 34.000 t.
Während noch zu Beginn des Jahres 2008 der aufgestaute Bedarf befriedigt werden mußte, entstand bereits in der 2. Jahreshälfte der erste Aufbau der Lagerbestände. Dabei wurde schmerzlich spürbar, daß der subventionierte Inlandsverbrauch für Butter, Magermilchpulver u.a. Produkten nicht wieder in Kraft gesetzt wurde. Die früher verdrängten Ersatzprodukte wie Margarine, Kunstkäse u.ä. wurden wettbewerbsfähiger. Die Folge war ein rascher Preisabstieg auf bzw. gebietsweise unter das staatlich garantierte Absicherungsniveau.
Damit wird deutlich, daß der Höhenflug der EU-Milchpreise 2007/08 neben langfristigen Entwicklungen auf die kurzfristige Verknappung von Milchprodukten auf den Weltmärkten infolge des Zusammentreffens außergewöhnlicher Umstände zurückzuführen ist. Es wird aber auch deutlich, wie sensibel die grundlegende Weltversorgungslage gegenüber früheren Jahrzehnten mittlerweile geworden ist. In der EU-27 wurden zwar die Interventionsbestände vorübergehend abgebaut, aber das Exportüberschussproblem bleibt bestehen. Die bereits im Jahre 2003 beschlossenen EU-Interventionspreise dienen nur noch einer Sicherheitsnetzfunktion.
Warum sind die Milchpreise wieder angestiegen?
Mit dem Einsetzen der Interventionsmaßnahmen in der EU-27 wurde ein weiterer Milchpreisverfall unter das Absicherungsniveau von 22,16 €-cent/kg verhindert. Die Fortführung der staatlichen Aufkäufe nach Erreichen der Intervention-Obergrenzen hat zu einer Stabilisierung der Milchpreise beigetragen. Die leeren Interventionsläger haben sich schnell gefüllt. Im Falle von Butter liegen rd. 76.000 t und im Falle von MMP 260.000 t in den EU-Vorratslägern vorläufig fest. Sie haben vorübergehend zur Entlastung des weltweiten Absatzes beigetragen, stellen aber eine Hypothek für die Zukunft dar. Die preisstützenden staatlichen Maßnahmen der EU-27 für den Binnenmarkt und Außenhandel wurden mittlerweile ausgesetzt. Jetzt kommt es darauf an, die zurückgehaltenen Warenmengen behutsam wieder in den Markt einzuschleusen.
In den USA wurden im Rahmen einer privat organisierten Gemeinschaftsregelung in mehreren Etappen Kuhabschlachtaktionen gestartet, die begrenzt wirksame Entlastung auf den Milchmarkt brachten. Die US-Regierung hält noch 27.000 t MMP in den Lägern, während 90.000 t in Inlandsverbrauchsprogrammen eingebunden sind. In den ozeanischen Staaten – vor allem Neuseeland - haben die Molkereien dafür gesorgt, daß die Milchanlieferung in fest geregelten Bahnen der Absatzmöglichkeiten zugelassen wurde.
Die Preissteigerung kommt jedoch nicht in 1. Linie aus dem Inlandsgeschäft. Das niedrige Preisniveau und die Interventionsmaßnahmen haben zwar zu einer gewissen Verringerung des Angebots beigetragen, aber nicht zu einer spürbar preiswirksamen Verknappung der Versorgung geführt. Alle Exportländer sind zu nicht unerheblichen Anteilen auf das Exportgeschäft mit Drittländern angewiesen.
Die entscheidenden Anstöße kommen von der Weltmarktnachfrage her. Als richtungs-weisende Orientierung für die Preisententwicklung entpuppen sich zunehmend die Ergebnisse der monatlichen internationalen Internetversteigerung der neuseeländischen Molkerei FONTERRA. Die dort erzielten Preise liefern die Richtschnur bis weit in die Liefertermine des nächsten Jahres hinein. Die durchschnittlichen Milchproduktpreise sind seit Juli 2009 bis einschl. der Novemberauktion um über 90 % gestiegen. Erst die Dezemberversteigerung brachte eine erste Stagnation bei reinem Milchfett (99,9 %), während die übrigen Produkte noch kleine Steigerungen vorweisen konnten.
Preise für reines Milchfett der monatlichen Internetauktionen Fonterra, Neuseeland

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Liefertermine |
Febr.10 |
März – Mai 10 |
Jun – Aug 10 |
|
Reines Milchfett (US-$/mt) |
4.406 |
4.328 |
4.335 |
|
Reines Milchfett (€/kg) (1,44 $/€) |
3,06 |
3,00 |
3,01 |
|
Vollmilchpulver (US-$ je t) |
3.523 |
3.540 |
3.716 |
Obwohl die Milcherzeugung auf Weltebene etwas zugelegt hat und Interventionsware vorhanden ist, sind die Weltmarktpreise angestiegen. Das läßt nur den einzigen Schluß zu, daß die Nachfrage nach Milchprodukten weltweit wieder deutlich angezogen hat. Sollte die Weltwirtschaft weiterhin an Fahrt aufnehmen, liegt die Vermutung nahe, daß die Nachfrage zumindest stabil bleiben wird. Das erhöhte Preisniveau und die mögliche Auslagerung der immer noch vorhandenen Interventionsware werden zwar bremsend wirken, so daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen. Andererseits wird sich die Wiedererholung der Preise stimulierend auf die Produktionssteigerung auswirken.
Warum sind die „Milchpreise“ hierzulande nicht so hoch wie auf dem Weltmarkt gestiegen?
Die Steigerungen haben in dollarnotierten Preisen stattgefunden, so daß bei einer aktuellen Umrechnung von 1,44 US-$ je € eine erste währungsbedingte Dämpfung des Zuwachses eintritt. Mit schwächerem Euro wird der Preisüberwälzungseffekt höher ausfallen.
Die Preissteigerungen beziehen sich auf fertig verarbeitete Milchprodukte mit hoher Konzentration der Inhaltsstoffe. Bis auf die Ebene flüssiger Milch tritt eine weitere Reduzierung des Steigerungseffektes auf.
Ggf. sind auch Unterschiede bei den Verarbeitungskosten geltend zu machen. (Nachholbedarf bei den Gewinnen?)
Auf Weltebene werden so gut wie keine Milchfrischprodukte gehandelt. Bei einem hiesigen Anteil von rd. einem Drittel an Frischprodukten mit vergleichsweise geringer Konzentration an Inhaltsstoffen kann auch nur anteilsmäßig eine Steigerung geltend gemacht werden.
Neuseeland liegt transportkostengünstiger zu großen Abnehmerländern im südostasiatischen Raum.
Wie geht’s weiter?
Von der Angebotsseite geht man nach der jüngsten Dezember-Schätzung des USDA für das Jahr 2010 davon aus, daß
im weltgrößtem Erzeugungsgebiet EU-27 die Produktion (134 Mio t) weitgehend unverändert bleiben soll,
in der zweitgrößten Erzeugungsregion USA (85 Mio t) die Milchproduktion voraussichtlich um 1 % zurückgehen wird,
Neuseeland (17 Mio t) seine Milcherzeugung um 3 % steigern wird, während in Australien (9,6 Mio t) aufgrund der reduzierten Kuhzahlen die Anlieferungen um 1 % kleiner ausfallen werden.
insgesamt in führenden Milchproduktionsgebieten der Welt (85 % des Milchaufkommens) eine Steigerung von knappen 1,5 % stattfinden soll.
Bei den einzelnen Milchproduktgruppen wird die Versorgungslage auf Weltebene unterschiedlich beurteilt:
Beim Frischmilchabsatz rechnet das USDA nach dem 1 %igen Rückgang des Vorjahres wieder mit einem ansteigenden Verbrauch von 2,2 % und liegt damit doppelt so hoch zum 5 jährigen Durchschnitt.
Bei der Käseproduktion schätzt man einen 1 %igen Zuwachs, während der Verbrauch um rd. 1,8 % zunehmen soll, wobei Russland mit einer Verbrauchs-zunahme um 6 % bei einer inländischen Produktionssteigerung von 3,3 % besonders heraussticht. Der russische Käseimport soll um knapp 10 % zulegen und damit das Ergebnis von vor 2 Jahren wieder erreichen.
Die weltweite Buttererzeugung soll um 2,7 % steigen, während die Nachfrage mit 4 % Zunahme höher veranschlagt wird. Überdurchschnittlich hohe Verbrauchs-zuwächse werden für den asiatischen Raum in Höhe von knapp 6 % angenommen.
Im Falle von Magermilchpulver soll ein 3,5 %iger Rückgang der Erzeugung auf einen nur geringfügig rückläufigen Verbrauch stoßen. Auch hier fällt Russland mit einer Eigenerzeugung von + 43 % bei gleich hohen Verbrauchszuwachs gegenüber dem sehr schwachen Vorjahr ins Auge. Die meisten Länder reduzieren die MMP-Produktion. Nach dem Exportrückgang des Vorjahres soll die EU-27 ihre MMP-Ausfuhr um 36 % steigern.
Die Vollmilchpulvererzeugung wird weltweit auf +5,6 % geschätzt, die entscheidend von China (Erholung nach dem Melamin-Skandal), Neuseeland mit 6,1 % und Brasilien bestimmt werden. China’s Importe bleiben auf dem fast dreimal so hohen Niveau gegenüber früheren Jahren, nehmen aber 2010 geringfügig ab. Die Exporte der EU-27 werden unverändert geschätzt.
Nach derzeitigem Kenntnisstand soll sich die weltweite Versorgungslage nur unwesentlich verändern. Inwieweit sich die Verbrauchszuwächse aufgrund einer sich weiter erholenden Weltwirtschaft trotz gestiegener Milchproduktpreise noch mehr stabilisieren, bleibt offen. Die hohen Steigerungsraten von 9,3 % der chinesischen Wirtschaft und 7 % der übrigen Schwellenländer in Südostasien lassen vermuten, daß noch Wachstumspotenzial vorhanden ist. Allerdings können wirtschaftliche Rückschläge nicht ausgeschlossen werden.
Verbindliche Preisvorgaben bis weit in das Jahr 2010 hinein liefern die o.g. Internet-Auktionen aus Neuseeland. Das Preisniveau ist Produkt- und Standortbedingt zu unterscheiden von den Preisangaben in Nordeuropa und den USA. Die Terminkurse an der CME in Chicago für Butter liegen selbst bei Umrechnung auf Vollfett immer noch deutlich unter den neuseeländischen Auktionsergebnissen. Die steigenden Kurse beweisen jedoch, daß die Orientierung zumindest stimmt.
Terminkurse für Milch Class III, Butter und MMP an der CME, Chicgo vom 31.12.2009
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Jan10 |
Feb10 |
Mar10 |
Apr10 |
Mai10 |
Jun10 |
Jul10 |
Aug10 |
Sep10 |
Oct10 |
Nov10 |
Dez10 |
|
US-ct/p |
14,22 |
13,89 |
14,49 |
14,77 |
15,15 |
15,58 |
15,96 |
15,99 |
16,11 |
16,07 |
15,87 |
15,92 |
|
US-$/kg |
31,35 |
30,62 |
31,94 |
32,56 |
33,40 |
34,35 |
35,18 |
35,25 |
35,51 |
35,43 |
34,99 |
35,10 |
|
€/kg |
21,77 |
21,26 |
22,18 |
22,61 |
23,19 |
23,85 |
24,43 |
24,48 |
24,66 |
24,60 |
24,30 |
24,37 |
|
Butter US-$ je t |
2.960 |
3.108 |
3.200 |
3.263 |
3.290 |
3.363 |
3.417 |
3.428 |
3.461 |
3.549 |
3.593 |
3.637 |
|
MMP US-$ je t |
2.855 |
2.833 |
2.811 |
2.745 |
2.745 |
2.761 |
2.822 |
2.712 |
2.789 |
2.469 |
2.579 |
2.579 |
Grundlegende agrarpolitische Änderungen werden bis auf die Ausnahme WTO-Verhandlungen vorerst nicht erwartet. Mögliche Reformen der EU-Agrarpolitik richten das Augenmerk stärker auf die Ausgestaltung der Zuwendungen für den Agrarsektor nach den Jahren 2013/2015. Dennoch ist man vor Überraschungen im Jahre 2010 nicht geschützt.
Fazit:
Der Milchmarkt unterliegt jetzt und in Zukunft hinsichtlich Preisniveau und Preis-schwankungen immer stärker den Bedingungen auf dem Weltmarkt. Die staatlichen Mindestpreisgarantien in der EU-27 erhalten nur noch die Funktion eines Sicherheitsnetzes, das die schlimmsten Preisunfälle verhindern soll. Der Ruf nach dem Staat verhallt immer öfter - ungehört
Die hohe Preisstabilität zurückliegender Jahre gehört der Vergangenheit an. Milcherzeuger müssen - wie es Schweinehalter seit Jahrzehnten tun - ihre Unternehmensführung stärker auf marktbedingt schwankende Preise und Einkommen ausrichten.
Bevölkerungs- und Einkommenswachstum sorgen für einen aufnahmefähigen Weltmarkt für Milchprodukte. Diese Marktchance ist nicht durch isolierende Abschottung sondern durch offene Anpassung zu nutzen.
Der Milchmarkt ist sensibel. Der Ausstieg aus der produktionsbremsenden Kontingentierung in der weltweit marktbedeutenden EU darf nicht abrupt, sondern muß in einem Gleitflug erfolgen, sonst könnten die Landemanöver in einem unheilvollen Aufprall erfolgen. Zu hohe Milchpreise sind keine gute Ausgangsposition für den Kontingentsausstieg, das entspricht einem Lösen von Bremsen auf abschüssiger Straße mit hohem Beschleunigungspotenzial. Die Talfahrt könnte schrecklich enden. Wer erreicht die Bergfahrt?
© H.Breker