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11.09.2009

Futtermittel gezielt einkaufen!

Die Getreidepreise haben weltweit noch keinen stabilen Boden gefunden. In der EU wird jedoch in diesem Jahr letztmalig eine Untergrenze durch die Interventionspreise wirksam. Der Preisdruck resultiert aus den Überhangbeständen des Rekordergebnisses des Vorjahres und einer etwas schwächeren Ernte 2009. Das Gesamtangebot liegt fast gleichauf mit dem Jahr 2008/09. Die Versorgungslage - gemessen am Verhältnis von Endbestand zum Verbrauch (stock to use ratio) – errechnet sich auf 21 %. Der langjährige Mittelwert beträgt 20 %. In den Hochpreisphasen lauteten die Zahlen 15 bzw. 16 %. Entsprechend lang-jährigen Marktregeln führt diese Versorgungslage zu einem Weltmarktpreisniveau (in $/t) knapp unterhalb der langjährigen Trendlinie.

 

Der Markt- und Preisverlauf bleibt mit Unsicherheiten behaftet. Die Ernte ist weltweit noch nicht abgeschlossen. Kritisch wird noch die verzögerte US-Maisernte, die etwa 1/3 des gesamten Weltfuttergetreides ausmacht. Bei einem 50 %igen US-Maisexportanteil auf Weltebene machen sich Änderungen der Ernteergebnisse global bemerkbar. Noch rechnet man mit einer Rekordernte in den USA, aber das Risiko der ausreichenden Abreife aufgrund kühler Witterung und die Gefahr von Frühfrösten steigt, je weiter sich die Druschtermine in den September hinein verzögern.

In Argentinien mußte infolge anhaltender Trockenheit der Weizenanbau (- 40 %) verringert werden. Es bleibt offen, in welchem Umfange die nicht besäten Flächen mit Mais und Soja bestellt werden können.

Deutlich unklarer ist der Ausgang der australischen Ernte zum Jahreswechsel, die vom Wetterphänomen El Nino bedroht wird. Noch wird mit einem mittleren Ergebnis gerechnet, aber in einigen Regionen fehlen ausreichende Niederschläge.

Auf der Nachfrageseite ist aufgrund steigender Bevölkerungszahlen und einer sich beleben-den Weltkonjunktur mit einem mittleren Verbrauchszuwachs zu rechnen, der im Regelfall für keine Überraschungen sorgt. Allerdings könnte sich eine stärkere Bewegung bei der Nach-frage nach Biokraftstoffen herausbilden. Die stark gefallenen Getreide-/Maispreise in Verbindung mit anhaltend hohen Energiekursen verbessert die Rentabilität der Bioethanol-erzeugung aus Mais erheblich. In den USA sind die Anlagen nur zu 85 % ausgelastet. Einige stehen noch still. Zusätzlich wird der Beimischungszwang in den USA ab 1. Jan. 2010 nochmal erhöht. Bei anhaltend hohen Benzinpreisen könnte die Nachfrage nach Mais weiter zulegen und die Versorgungsbilanz im Futtergetreidesektor verengen.

Betriebe mit Getreidebedarf sollten die jetzige Niedrigpreisphase nutzen, sich mit ausreichenden Teilmengen einzudecken bzw. mit Vorkontrakten abzusichern. Die Frühjahrspreise können - müssen nicht - anders aussehen.

 Wie sieht es bei Soja aus?

Der Sojamarkt befindet sich aktuell in einer angespannten Übergangslage. Die süd-amerikanischen Ernten sind im Frühsommer mit rd. 20 Mio t (- 20 %) geringer ausgefallen. Die Nachfrage - speziell aus China - hat jedoch nicht nachgelassen. Die anstehende US-Ernte soll nach jetzigem Stand zwar um 7 Mio t höher gegenüber dem Vorjahr ausfallen. Das ist als Ausgleich zu wenig. Die Endbestände steuern zum Jahreswechsel auf historische Tiefststände. Für die EU-Sojaschrotimporte werden zusätzliche Engpässe nicht ausge-schlossen, weil erhebliche logistische Schwierigkeiten bestehen, GVO-freies Soja aus den USA nach EU-Nulltoleranzvorschriften einzuführen. Ob die EU-Politik rechtzeitig Ent-scheidungen zur Abhilfe trifft, ist nach den bisherigen Erfahrungen wenig wahrscheinlich. Die Turbulenzen der Sojakurse an den Börsen werden in nächster Zeit nicht aufhören.

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Für das Frühjahr 2010 sieht die Lage am Sojamarkt aus heutiger Sicht völlig anders aus. Man erwartet überdurchschnittlich hohe südamerikanische Ernten, vor allem in Argentinien. In Verbindung mit einer Rekordernte in den USA stünde ein reichliches Angebot zur Verfügung. Die Kurse an den Börsen für die Frühjahrstermine haben schon jetzt mit entsprechenden Preisabschlägen zwischen 4 und 6 €/dt reagiert.

Aber auch in diesem Fall herrscht immer noch ein Risiko. Während Argentinien durch EL Nino niederschlagsmäßig begünstigt wird, droht für Teile Brasiliens Trockenheit.

Betriebe, die jetzt Eiweißfuttermittel als Einzelkomponenten kaufen, sollten langlaufende Kontrakte auf gegenwärtig hoher Preisbasis meiden und auf die Terminkurse im Frühjahr setzen. Die aktuellen Preisturbulenzen an den Börsen werden nicht 1:1 an die Einkaufs-preise der Landwirtschaft weitergegeben. Es gilt verstärkt aufzupassen, um auch den vorderen Bedarf bis nach dem Jahreswechsel nicht gerade zu Höchstkonditionen kaufen zu müssen.

Mischfuttereinkauf 

Die Preisentwicklung bei Mischfuttermitteln verläuft erheblich gedämpfter im Vergleich zu den Einzelkomponenten. Das liegt an der häufigeren Kontraktbindung der Mischfutterwerke auf der Einkaufs- wie auf der Verkaufsseite. Darüber besitzen die Firmen Möglichkeiten über unterschiedliche Rezepturgestaltung, überregionalen und internationalen Großeinkauf aus Überschußgebieten sowie die Verwendung von Sonderfuttermitteln, um die Preise zu glätten.

Beim Vergleich der Mischfutterpreise mit den Einzelkomponenten fällt ein typisches Marktverhalten auf. In Zeiten starker Preisanstiege (wie z. B. 2007) gehen die Mischfutter-preise zunächst gar nicht und dann mit Verzögerung nach oben. Gegenüber Einzel-komponenten entsteht in dieser Zeitspanne ein erheblicher Wettbewerbsvorteil für Mischfutter. Das umgekehrte Schauspiel erlebt man jedoch beim Preisabschwung. Langlaufende Kontraktverpflichtungen führen dazu, daß die Mischfutterpreise nur langsam und verzögert den Preisrückgang mitmachen. (wie z.B. Ende 2008/Anf. 2009)

Betriebe mit ausreichender Flexibilität im Wechsel zwischen Fertigfutter und Eigenmischung sollten diese Marktchancen gezielt nutzen. Betriebe mit ausschließlichem Mischfutterbezug sollten sich rechtzeitig Gedanken über den Zeitpunkt und die Länge eines Kontraktabschlusses machen.

Fazit:  Gezielter und differenzierter Futtermitteleinkauf durch ausreichende Teilmengen rechtzeitig absichern.

 

© H.Breker

 

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