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29.03.2010
COCERAL: Erste Ernteprognosen für EU-Getreide- und Rapsmarkt 2010
Der Dachverband der Getreide- und Futtermittelhändler in Europa COCERAL hat seine 1. Schätzung (von 4 Schätzungen im Laufe des Jahres) für die EU-Getreide- und Rapsernte 2010 veröffentlicht. Für beide Märkte geht man von niedrigeren Ergebnissen aus:
· Bei Getreide soll die EU-Erntemenge von 293,35 Mio. t (2009) auf 287 Mio. t (2010), also um 6 Mio. t zurückgehen. Ausschlaggende Faktoren sind der Anbauflächenrückgang um 1,1 Mio. ha und eine geringere Ertragserwartung von durchschnittlich 50,3 dt/ha (Vorjahr 50,5 dt /ha). Bei den einzelnen Getreidearten legt zwar Weizen mit knapp 3 Mio. t noch zu, aber die Gerste soll aufgrund des Anbauflächenrückganges mit 5,5 Mio. t den Zuwachs beim Weizen mehr als ausgleichen. Mit einem Rückgang von je 1 Mio. t rechnet man auch bei Roggen und Triticale.
In den beiden größten Erzeugungsgebieten der EU-27 - Deutschland und Frankreich - schätzt man die Getreideernten 2010 jeweils um rd. 3 Mio. t niedriger gegenüber dem guten Jahr 2009 ein. In Polen (3. größtes Erzeugungsgebiet) rechnet man mit rd. 1 Mio. t weniger Getreide, während in Ungarn mit einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr von knapp 2 Mio. t kalkuliert wird.
· Für Raps wird ein Rückgang von 21,32 Mio. t (2009) auf 20,77 Mio. t (2010) prognostiziert. Dazu hat trotz größerer Anbaufläche von 0,32 Mio. ha die geringere Ertragserwartung von 30,5 dt/ha gegenüber dem Rekordjahr 2009 mit 32,9 dt/ha beigetragen. Die Sonnenblumenernte geht um 0,2 Mio. t zurück.
Die entscheidenden Einflüsse für das EU-Ergebnis kommen aus Deutschland mit einer ertragsbedingt niedrigeren Ernte um 0,7 Mio. t und Frankreich mit 0,5 Mio. t weniger Rapsaufkommen. In den übrigen Ländern verändern sich die Ergebnisse nur geringfügig.
Was bedeuten diese Prognosezahlen für die Markt- und Preisentwicklung
Zunächst sollte man feststellen, daß die Grundlage für die Schätzung in 1. Linie auf zunehmend verläßlicher werdenden Anbauflächen-Erhebungen beruhen, aber die Hektarerträge auf der Basis statistischer Durchschnittswerte berechnet worden sind. Daraus resultiert immer noch ein nicht vorhersehbarer witterungsabhängiger Unsicherheitsfaktor. Auswirkungen durch Auswinterungen, mögliche Verringerung der Vegetationsperiode aufgrund eines längeren Winters bleiben vorerst noch Spekulationen, die sich erst in den nächsten Wochen konkretisieren lassen, ganz zu schweigen von den Wetterverhältnissen in den entscheidenden Ertragsbildungsphasen.
Für die Beurteilung der Markt- und Preisentwicklung ist ein geschätztes Ernteergebnis im Rahmen einer Versorgungsbilanz zu betrachten. Erst die Ausweisung der rechnerischen Endbestände liefern wichtige Hinweise auf die Versorgungssituation.

Dazu sind jedoch weitere Annahmen vorzunehmen, die sich aus der jüngeren Vergangenheit ableiten lassen. Begibt man sich auf dieses nicht ganz glatteisfreie Terrain, dann läßt sich für den EU-Getreidemarkt bei fast gleichbleibenden Inlandsverbrauch und wenig geänderten Im- und Exportmengen ein spürbar verringerter Endbestand auf knapp unter 30 Mio. t berechnen. Die errechnete Bestandsminderung von 6 Mio. t dürfte ein eindeutiges Signal für nicht mehr fallende, sondern in der Tendenz eher steigende Preise darstellen, vorausgesetzt, die Entwicklungen auf dem Weltmarkt lassen solche Erhöhungen zu.
Der prognostizierte Rückgang der EU-Rapserzeugung dürfte die Netto-Importsituation verschärfen und gleichzeitig dazu beitragen, den Endbestand zu reduzieren. Importe aus Rapserzeugenden Exportländern ohne GVO werden angesichts der sich häufenden Auswinterungszahlen aus Weißrußland, Ukraine und Russland schwieriger zu beschaffen sein.

Die prognostizierte knappere Versorgungslage dürfte den Rapspreisen Aufwind bringen. Allerdings gibt es Widerstand. Dieser kommt insbesondere von der weltweit hohen Sojaversorgung im Jahr 2010/11, die dazu beitragen wird, die Preise für pflanzliche Öle der Höhe nach zu begrenzen. Das trifft den Rapspreis wegen des relativ hohen Ölgehaltes besonders stark. Auch das hohe Angebot von Eiweißfuttermitteln aus den Nebenprodukten der Ölsaatenverarbeitung sowie Bioethanolherstellung aus Mais (DDGS) begrenzt die Verkaufserlöse der Rapsschrote. Was auf der Erlösseite nicht erzielbar ist, muß auf der Ausgabenseite gespart oder bewußt Verluste in Kauf genommen werden.
Eine zunehmende Bedeutung für die weitere Rapspreisbildung wird wieder den Außenfaktoren Rohölpreis und den Euro-Kurs zukommen.
Rapspreise an der Euronext vom 25.03.10 Terminkurse für Raps in Paris und Winnipeg


Weltmarkt: Eine geschätzte Versorgungslage für Getreide und Raps in der EU-27 hat für sich genommen nur einen begrenzten Aussagewert. Entscheidender für Preisniveau und –entwicklung sind die erwarteteten Angebotsmengen der großen Exportgebiete wie USA, Kanada, Argentinien, Brasilien, Russland und Ukraine sowie die Importnachfrage aus dem Nahen Osten und den nordafrikanischen Ländern. Darüber herrscht zurzeit noch ziemliche Unsicherheit. An den US-Börsen spricht man von einer seit Monaten fehlenden Orientierungsvorgabe.
Das amerikanische Weizenexportgeschäft war noch nie so schlecht wie im laufenden Jahr. Als Grund werden die preiswerteren Exporte aus Russland, Ukraine und der EU-27 angeführt. In jüngster Zeit trägt der wieder erstarkte Dollar (bzw. umgekehrt der schwache Euro) zur fehlenden Wettbewerbsfähigkeit der amerikanischen Weizenausfuhren bei.
Dennoch geben die US-Weizenkurse nur wenig nach mit der Begründung, daß aufgrund der witterungsbedingt geringen Aussaatflächen (- 14 %) mit einer schwachen kommenden Weizenernte spekuliert wird. Dazu könnte ja immer noch eine Ertragsminderung eintreten. Dabei wird geflissentlich übersehen, daß 35 bis 40 % der alten US-Weizenernte noch im Lager steckt und einen guten Puffer für die erwartete Minderernte bildet.
Unsicher bleiben auch die US-Anbauverhältnisse von Mais und Soja. Schon jetzt gibt es wieder witterungsbedingte Verzögerungen bei der Aussaat, so daß die Febr.-Schätzungen im kommenden US-Anbaubericht am 31. März 2010 zu einigen Korrekturen in Richtung vermuteter zusätzlicher Sojaanbauflächen gehen könnten.
Die Vorgaben aus den USA bleiben grundsätzlich tonangebend für das weltweite Markt- und Preisgeschehen, von dem die EU-27 über das Exportgeschäft abhängig ist.
Welche Rolle die beiden Länder Russland und Ukraine im Getreidewirtschaftsjahr 2010/11 einnehmen werden, wird erst nur in unscharfen Umrissen deutlich. Aufgrund der sehr guten Ernten der letzten beiden Jahre dürften die Überhangbestände insbesondere in Russland weiterhin groß ausfallen. Die kommende Ernte wird infolge der zu trockenen Aussaat-bedingungen und schwachen Herbstentwicklung sowie einer deutlich höheren, aber noch nicht sicher abschätzbaren Auswinterungsrate von mehr als 15 % wohl nicht an die Rekordzahlen der letzten Jahre heranreichen. Von Regierungsseite wird das nicht bestätigt.
Bei gleichbleibend hoher Importnachfrage aus dem Mittelmeerraum und dem Nahen Osten dürfte sich aus der vorgenannten Konstellation ein weniger scharfer Wettbewerb einstellen, der den EU-Ausfuhren - marktentlastend - zugute kommen könnte.
Fazit:
Zurzeit erfahren die Rapspreise deutliche Auftriebstendenzen durch schwache Ernteerwartungen, hohen Röhölpreisen und sinkendem Eurokurs. Der Einfluß der erwartet hohen Sojaernte ist zu einem bestimmten Anteil bereits eingepreist, dürfte aber bei steigendem Angebotsdruck der angelandeten Ware noch zunehmen. Die vorderen Termine für Raps werden höher notiert als die späteren Nacherntetermine.
Die Terminkurse für Weizen erhalten in Europa einen leichten Aufwind aufgrund einer erwartbaren Marktentlastung, während die USA Absatzprobleme aufgrund der europäischen Konkurrenz und des wieder erstarkten Dollars haben. Die US-notierten Weizenpreise geben spekulationsbedingt allerdings nur zögerlich nach. Größere Preissprünge würden auch das europäische Preisniveau in Mitleidenschaft ziehen.
© H.Breker