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29.03.2010

USDA-Report vom 10. März 2010:

Getreidemarkt 2009/10: Korrekturen,  aber keine grundlegende Veränderungen

Der mit Spannung erwartete März-Bericht des USDA sollte eigentlich Aufklärung darüber liefern, wie die US-Maisernte letztlich zu bewerten ist. Das hätte auch Klarheit für den übrigen Teil des Weltmarktes gebracht. Erhellungen über den endgültigen Ausgang der Ernte 2009/10 blieben jedoch aus. Die bisherigen Witterungsentwicklungen haben mit Schnee, Schneeschmelze, Schneeregen und einsetzenden Überflutungen zu keinem nennenswerten Fortgang der US-Maisernte geführt. Allerdings sollen einige Mähdrescher in Nord-Dakota anläßlich „günstigen Erntewetters“ auf den Feldern gewesen sein. Die US-Maisernte wurde um 1 Mio. t zurückgenommen, der Export um mehr als 2,5 Mio. t reduziert und die Endbestände um 2 Mio. t erhöht. Damit stellt sich die US-Versorgungslage für Mais statistisch noch besser dar als vorher. Allerdings werden Stimmen laut, die auf eine schlechtere Maisqualität hinweisen. Da in den USA mit Hohlmaßen (bushel) gerechnet wird, wird immer häufiger festgestellt, dass 2 bis 4 bushel (25,4 kg) mehr für eine Tonne Futter benötigt werden. Ein geändertes Hektolitergewicht spielte in den bisherigen Schätzungen jedoch keine Rolle.

Aufgrund von Nachbesserungen hat sich die Versorgungssituation für die Weltweizenernte noch mal erhöht. Korrekturen hat es vor allem für den südamerikanischen Kontinent aufgrund günstiger Witterungsentwicklungen gegeben. Nach dem jetzigen Stand mit 678 Mio. t kommt das Ergebnis relativ nahe an die Rekordernte des Vorjahres von 682 Mio. t heran. Die Endbestände steigen auf 197 Mio. t, so hoch wie zuletzt im Jahre 1987. Das Verhältnis von Endbestand zum Verbrauch steigt auf 30,4 %, eine stattliche Reserve für den Fall, dass die Weizenernte 2010 schlechter ausfallen könnte.

Im Fall der weltweiten Futtergetreideversorgung ist mit einem Endbestand von 16,7 % zum Verbrauch ein Durchschnittswert festzustellen, der aber deutlich unter dem Vorjahr von 17,7 % zu liegen kommt, aber immer noch höher ist als die eher knappe Situation im Jahre 2007/08 mit 15, 2 %.

Der gesamte Getreidemarkt 2009/10 ist mit 382 Mio. t Überhangbestand (Vorjahr 356 Mio. t und Vorvorjahr 284 Mio. t) erheblich sicherer geworden gegenüber möglichen Ernteausfällen. Allerdings sollte man dagegen halten, dass der Getreideverbrauch mit + 80 Mio. t in den letzten beiden Jahren überdurchschnittlich stark gestiegen ist. Im mehrjährigen Durchschnitt wird ein jährlicher Ertragszuwachs von 30 bis 35 Mio. t gebraucht, um die durchschnittlich steigende Nachfrage je Jahr für den Nahrungsmittelverbrauch der wachsenden Weltbevölkerung mit steigendem Einkommen, den Futterverbrauch und insbesondere die noch steigende, aber nicht mehr so stark boomende Nachfrage aus dem Bioenergiesektor zu decken.

Weizenpreise an der Euronext, 11.03.2010

Die Terminkurse an den US-Börsen haben recht verhalten auf den USDA-Bericht reagiert. Insgesamt wird die neueste Einschätzung jedoch als wenig hilfreich für steigende Preise angesehen, eher werden leichte Schwächetendenzen beobachtet.

Der jüngste Notierungsabfall an der Euronext, Paris, hat zusätzliche Ursachen, die mit der europäischen Vermarktungssituation zu tun haben. In wachsendem Umfange werden die umfangreichen Restbestände aus der Ernte 2009 angedient. Die Nachfrage auf der Verbrauchsseite ist jedoch verhalten und zielt nur auf den vorderen Bedarf ab. Die Verbrauchsseite verläßt sich auf die hohe EU-Versorgungslage. Der EU-Weizenexport ist zwar durch den gesunkenen Eurokurs von 1,45 auf 1,36 $/€ in Schwung gekommen, die Mengen reichen aber nicht aus, um die Ware hierzulande spürbar zu verknappen.

Die Ölsaatenproduktion wurde gegenüber dem Vormonat um 2 Mio. t höher auf mittlerweile 435 Mio. t  (Vorjahr: 395 Mio. t) geschätzt. Die Erhöhung ist zurückzuführen auf eine höhere Sojaernte in den USA und vor allem aus Südamerika. Die brasilianische Ernte ist bereits zu 32 % recht zügig vorangekommen und wurde aufgrund der hohen Erträge nochmal um 1 Mio. t auf 67 Mio. t (Vorjahr 57 Mio. t) hochgesetzt. Die argentinische Ernte schätzte das USDA unverändert auf 53 Mio t.

Auf der Nachfrageseite ziehen sich die Chinesen, die mehr als die Hälfte des weltweiten Sojabohnenhandels importieren, zunehmend vom nordamerikanischen Kontinent zurück und verlagern ihre Kaufaktivitäten auf die südamerikanischen Märkte. Ob es in diesem Jahr nochmal eine Importsteigerung China’s geben wird, steht vorerst in Frage, weil die chinesische Kreditvergabe zu Vermeidung einer überschäumenden Konjunktur gedeckelt wurde. Andererseits liest man Meldungen, wonach die Chinesen ihre Soja-Eigenerzeugung zugunsten des Maisanbaus drosseln und mehr auf die Einfuhr von Soja setzen wollen.

Spürbarer Absatzdruck herrscht im Sojaschrotsektor, der sich zunehmend der Konkurrenz durch Maisschlempe (DDGS=Distillers Dried Grain Solubles) in Höhe von 30 bis 35 Mio. t erwehren muß. Die Nachfrage nach pflanzlichen Ölen hält dagegen stark an, weil in wachsenden Umfange aus Sojaöl Biodiesel sowohl in Nord- wie Südamerika z.T mit staatlicher Unterstützung (USA: 1 $ /gallon (3,8 l) hergestellt werden soll.

Die Terminkurse an den Börsen zeigen im Sojakomplex anhaltend kräftige Abwärtsbewegungen, die in 1. Linie ihre Ursache in der überdurchschnittlich hohen Ernteerwartung auf dem südamerikanischen Kontinent haben. Allerdings sind schon erste Dämpfer zu spüren. Die Ernte Uruguays wird geringer ausfallen als erwartet. In Brasilien besteht ein Lager- und Transportproblem. Die Transportkapazitäten reichen möglicherweise nicht aus, die überraschend großen Erntemengen rechtzeitig auf den Weg zu bringen.

 Sojaschrotkurse  in € je t ab Hamburg vom 12.03.2010  bzw. USA in $/sht

Textfeld:  
Hbg €/t
USA $ je sht
Mär 10
277,00
251,2
Apr 10
270,00
251,3
Mai 10
239,00
 
Jun 10
228,00
 
Jul 10
228,00
251,4
Aug 10
224,00
250,8
Sep 10
224,00
249,0
Okt 10
224,00
244,0
 

 

Die Sojaschrotkurse haben in Erwartung einer zukünftig hohen Angebotsmenge bereits erheblich nachgegeben. Mit voranschreitender Ernte wird sicherlich noch mehr Preisdruck aufgebaut werden, aber die Preise für die späteren Termine deuten auf eine Stabilisierung hin. Das Ende der Preistalfahrt ist absehbar. Entscheidenden Einfluß wird noch einmal die Soja-Anbaufläche in den USA ausüben, sowie im weiteren Verlauf die Wettermärkte in den Monaten Juni bis August, die über die Hektarerträge entscheiden.

Angesichts der drückenden Sojaernte haben sich die Rapspreise erstaunlich gut behaupten können. Sie erhielten kräftige Unterstützung durch die gestiegenen Röhölpreise und dem fallenden  Eurokurs. Mit Preisen knapp unter 300 €/t ist ein Preisniveau erreicht, daß wieder einmal Anreize liefert, über Teilabsicherungen nachzudenken.

Rapskurse an der Euronext, Paris

Mai 10

295,00

Aug 10

285,00

Nov 10

293,00

 

Textfeld: Termin
Mittellandkanal €/t
Mär 10
291,00

Mai 10
295,00

Aug 10
285,00

Nov 10
293,00

 

 

Für Teilabsicherungen beim Raps sind folgende Pro- und Contra-Argumente abzuwägen:

Fazit:

Der Getreidemarkt 2009/10 befindet sich in einer noch sehr unsicheren Auslaufphase. Der weltweite Weizenmarkt gilt als reichlich versorgt mit entsprechend gedrückten Preisen. Im Futtergetreidesektor ist noch Spannung drin. Es wird langsam Zeit, sich verstärkt mit der Positionierung der kommenden Vermarktungskampagne zu beschäftigen. Bislang fehlen dazu hinreichend verläßliche Fundamentaldaten.

Rapspreise durchlaufen eine günstige Preisphase gemessen am Umfeld der übrigen Olsaaten- und Futtermittelmärkte. Während im Sojasektor klare Signale nach unten gesetzt sind, gibt es im Rapssektor (noch?) leichte Auftriebstendenzen, die in Verbindung mit der wirtschaftlichen Entwicklung gesehen werden bzw. auch in Zusammenhang mit der unsicheren Höhe der EU-Rapsernte 2010 gebracht werden können.

© H.Breker

 

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